Hennen haben Brüder

Wusstet ihr, dass die Brüder von Legehennen sofort getötet werden, wenn sie schlüpfen? Es gibt nämlich ganz unterschiedliche Hühnerrassen. Die einen sind Legerassen, bei denen die Hennen sehr potent im Eierlegen sind, die anderen sind Fleischrassen, bei denen die Hühner möglichst schnell möglichst viel an Gewicht zulegen, um dann später als Suppenhuhn oder als Hähnchenbrustfilet etc. zu dienen. Aus rein ökonomischer Sicht ist das durchaus sinnvoll, denn eine Rasse, die viele Eier legt UND schnell an Gewicht zulegt wird nie so produktiv sein, wie die Spezialzüchtungen. Das liegt daran, dass dem Körper nur eine bestimmte Energiemenge zu jedem Zeitpunkt zur Verfügung steht. Die kann entweder primär für den Massenaufbau genutzt werden, um Eier zu produzieren oder eben für beides aufgewandt werden. Wenn man die Energie aber gleichberechtigt aufteilt, gibt es dadurch zwangsläufig eine geringere Gewichtszunahme und weniger Eier pro Zeiteinheit.

Die, die bei dieser Gewinnmaximierung den Kürzeren gezogen haben, sind die Brüder der Legehennen. Sie können nicht schnell an Gewicht zulegen und keine Eier legen. Aus diesem Grund werden die Bruderhähne noch als Eintagsküken getötet, denn sie sind aus wirtschaftlicher Sicht “für nichts zu gebrauchen”. Das trifft im Jahr ungefähr 34-45 Millionen männliche Küken allein in Deutschland; 280 Millionen sind es in der EU. Dieses Video zeigt das “Verfahren”, das dabei zum Einsatz kommt.

Das Verfahren wird genau so angewandt und auch Bio-Eier sind bisher keine Lösung gewesen, denn kaum ein großer Hof hat eigene Küken. Die werden von großen Brütereien, wie eine in dem Video zu sehen ist, geliefert. Erst wo das Huhn dann landet, entscheidet über Bio oder nicht. Wenn ihr euch darüber weiter informieren wollt, kann ich euch die Seiten von peta, aktion tier und dem Tagesspiegel zu dem Thema empfehlen.

Es gibt neuerdings aber eine Initiative, die sich Bruderhahn Initiative Deutschland (BID) nennt und genau dieses Problem angehen will.  Für die Initiative haben sich (bisher) 14 Bio-Bauern zusammen getan, und ein Konzept entwickelt, das ihr auch auf der Homepage der Initiative nachlesen könnt (und *hier* ist ein Artikel aus der DIE WELT darüber).

Als Lösung haben sie sich überlegt, pro Ei 4 Cent mehr zu nehmen und für diese 4 Cent pro Ei die Legehennen-Brüder aufzuziehen und dann als Fleischtier schlachten zu lassen, auch wenn das nicht so rentabel ist. Die Henne rettet mit ihren Eiern also quasi ihren Bruder (zumindest bis zur Schlachtung). Langfristig hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, die Entwicklung von sogenannten Zwiehuhnrassen, das sind Rassen, die sowohl Eier legen, als auch gut Fleisch ansetzen, voranzutreiben. Das Logo der BID sieht so aus:

So rentabel wie die Spezialrassen können diese Zwiehuhnrassen zwar nicht werden, aber vielleicht (hoffentlich) wird mit der Aktion so viel Aufmerksamkeit erregt, dass die Verbraucher im großen Maßstab darauf aufmerksam werden und dadurch bereit sind, etwas mehr für Hühnerfleisch und Eier zu bezahlen. Ich selbst bin durch einen Artikel im Bio-Magazin Schrot und Korn darauf aufmerksam geworden. Es war mir klar, dass die Brüder der Legehennen in konventionellen Betrieben getötet werden, aber bei Biohöfen war mir das nicht klar. Es war vermutlich sehr naiv von mir, aber ich wusste nichts von den Brütereien, oder darüber, dass Bio-Bauern auch von dort ihre Küken beziehen. Ich denke zwar nicht, dass sie unwirtschaftliche Aufzucht von Bruderküken eine langfristige Lösung ist, aber mittelfristig finde ich, dass es kein schlechter Kompromiss ist. Auf jeden Fall besser, als die bestehende Situation. Ich hoffe wirklich, dass langfristig (zumindest in der ökologischen Landwirtschaft) so der Sprung weg von Legerassen, zurück zu Zwiehuhnrassen geschafft werden kann.

Ich werde in Zukunft mal nach dem Siegel Ausschau halten und bis dahin meinen Eierkonsum so gut es geht drosseln. Früher habe ich Veganer ehrlich gesagt für bescheuert erklärt, aber je mehr ich mich mit solchen Themen beschäftige, desto größer wird mein Verständnis und meine Bewunderung dafür. Ernährungsphysiologisch ist Veganismus suboptimal, aber aus tierethischer Sicht bei der heutigen Massenproduktion für mich eine der wenigen Möglichkeiten, eine ganz weiße Weste vor sich selbst zu haben (ich bin mit dem Satz nicht ganz zufrieden, aber in meinem Kopf hat es sich plausibel angehört).

Wusstet ihr von den Methoden der Brütereien und den Bruderküken der Legehennen? Ich hoffe ich bin nicht die einzige naive Nuss, die davon keine Ahnung hatte. Was denkt ihr über die Initative für die Bruderküken?

EDIT: Ich habe gerade eine Show von Jamie Oliver namens “Jamies Hühnerhölle” gefunden, die das Thema etwas populärwissenschaftlicher angeht. Ich kann die Videos hier nicht einbetten, wenn ihr Interesse habt, einfach auf den Link klicken!

Advertisements

One comment

  1. Oh mein Gott..das ist ja absolut grausam…..!!! Ich wär auf jeden Fall dazu bereit 4 Cent mehr zu zahlen!!! Wir leben doch eh im totalen Überkonsum hier in Deutschland! Vegan zu Leben wäre für mich auch unvorstellbar, aber einfach mal ein paar Tage in der Woche auf Fleisch zu verzichten, oder zumindest etwas bewusster einzukaufen, das kann doch wirklich jeder!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s