Mit oder ohne?

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Bioboom – Das Magazin für nachhaltigen Genuss habe ich mitgenommen, als ich Anfang der Woche mit Freund und Mutter in einem Bio-Hofladen in Herford war, den ich bis dahin noch nicht besucht habe (*hier* geht’s zur Homepage). Es ist ein wirklich schöner, heller Laden mit einer relativ großen Auswahl und vor allem einer gut bestückten Fleischtheke (die Tiere sind aus eigener Haltung). Nun aber zu dem, wovon ich eigentlich erzählen wollte. In der Zeitschrift Bioboom gab es einen Artikel mit dem Aufhänger “Iss doch wenigstens das Fleisch!”, den ich einerseits lustig fand, weil er mich an meine Großeltern und meinen Vater erinnert hat, der mich aber andererseits auch nachdenklich gemacht hat und mich zum Weiterlesen bewog.

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Der Artikel handelte in der Hauptsache davon, ob man Tiere halten sollte und ob bio-veganer Landbau richtig und überhaupt möglich ist. Von dieser Seite habe ich Vegetarismus, Veganismus und überhaupt das ökologische Gleichgewicht in der Landwirtschaft noch nie betrachten. Ich gehöre zu der wachsenden Gruppe von Menschen, die für sich entschieden haben weniger Fleisch zu essen, aber dafür (wenn möglich) bio. Da ich Vegetarismus und Veganismus für mich allerdings noch nie ernsthaft in Betracht gezogen habe, habe ich mir noch nie Gedanken über die Auswirkungen solcher Lebensweisen gemacht. Der größte Teil der Vegetarier ist ovo-lakto-vegetarisch (essen Eier und Milch, aber kein Fleisch). Klar, es gibt nicht so viele Vegetarier (der Vegetarier Bund geht von ca. 7 Millionen in Deutschland aus), aber was hätte hätte es theoretisch für Auswirkungen, wenn viel mehr Menschen Ovo-Lakto-Vegetarier werden würden? Was passiert mit den Hühnern und Kühen, wenn sie keine Eier mehr legen oder keine Milch mehr geben können? Ist ein reiner Milchbetrieb rentabel? Was passiert mit den männlichen Kälbchen?  Alles Fragen, über die ich in dem Zusammenhang noch nie nachgedacht habe und die dafür gesorgt haben, dass ich mich zum allerersten mal überhaupt mit Veganern in einer Form identifizieren konnte.

Auch neu für mich war, dass einige der bekannten Bioverbände, wie zum Beispiel Demeter, Tierhaltung für einen unverzichtbaren Teil des Hoflebens halten und daher Tierhaltung als Voraussetzung für Mitglieder haben. Der Anbauverband Bioland befürwortet Bio-Nutztierhaltung zwar, macht sie aber nicht zur Pflicht.

Wenn man aus Tierschutz- bzw. Tierrechtsicht betrachtet, ist Veganismus konsequenter. Aber kann ohne den natürlichen Dünger der Tierhaltung überhaupt effizient bio-vegan angebaut werden? Bisher gibt es scheinbar wenig Forschung zu dem Thema, aber interessant finde ich es doch. In England beschäftigt man sich schon länger mit dem Thema, dort gibt es zum Beispiel schon ein Siegel auf Lebensmitteln, welches Produkte ausweist, die komplett frei von tierischen Produkten sind. Das Siegel heißt Stockfree organic und hat auch eine Homepage. In Deutschland gibt es erst einige wenige Höfe, die den bio-veganen Anbau anstelle des biologisch-dynamischen Hoflebens praktizieren. Falls es euch auch interessiert gibt es dazu auf der Seite von biovegan, einem Netzwerk zum bioveganen Anbau im deutschsprachigen Raum einiges nachzulesen.

Wenn man jetzt mal weiter überlegt und sich vorstellt, dass es viel mehr Veganer geben würde, was wären dann die Auswirkungen? Könnte man so überhaupt den Nahrungsmittelbedarf decken? Und was passiert mit den Kulturlandschaften und Nutztierrassen?

Ich muss sagen, das Thema hat mich sehr berührt und ich fand den Artikel wirklich interessant, vor allem weil er so viele Fragen in mir neu aufgeworfen hat. Ich kann mir zwar nach wie vor nicht vorstellen, ganz auf Fleisch zu verzichten und ich glaube nicht das es möglich wäre, die jetzige Bevölkerungszahl mit bio-veganem Landbau zu ernähren, aber ich habe Bewunderung und Respekt für die Konsequenz der Leute gewonnen, die vegan leben und versuchen, einen bio-veganen Landbau umzusetzen.

Ich persönlich bin außerdem der Meinung, dass der Verlust von Kulturlandschaften (Almwiesen, Heide) und Nutztierrassen bei einer theoretischen Komplettumstellung auf bio-veganen Anbau absolut vertretbar und vielleicht sogar besser wäre. Ich bin außerdem der Meinung, dass der Mensch im Grunde genommen keinerlei Recht hat Tiere zu halten und für sich, in welcher Hinsicht auch immer, zu benutzen. Aber ich bin ehrlich gesagt einfach zu inkonsequent und bequem um den Gedanken zu ende zu führen und mein Leben umzustellen. Zumindest zur Zeit.

Was haltet ihr von Vegetarismus? Veganismus? Biologisch-dynamischem Hofleben? Tierhaltung im allgemeinen? Bio-veganem Anbau? Eure Gedanken würden mich sehr interessieren! So oder so wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

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2 comments

  1. Hallo Liebe Michele!
    Wow deine Fragen kann man wirklich nur beantworten, wenn man sich bereits eine ganz klare Meinung zu diesem Thema gebildet hat. Ich muss sagen, dass ich mir bisher wirklich zu wenig Gedanken um dieses gemacht habe. Ich kaufe zwar hin und wieder Bio Fleisch- weil ich das aus dem Discounter einfach nicht mag. Ich bin also weder Vegetarier noch lebe ich vegan. Ich bewundere Menschen die sich so strikt an Essen und Ernährungsweisen halten, aber mir würde einfach etwas fehlen. Aber die ökologischen Auswirkung sollte man nicht ungeachtet lassen . Dein Artikel regt zum nachdenken an!
    Danke

    Alles Liebe Lara

    1. Hey Lara,
      ich freue mich sehr darüber, dass dich der Artikel zum Nachdenken angeregt hat :) Genau so ist es mir auch gegangen, als ich den Artikel in der Zeitschrift gelesen habe und bei manchen der Fragen überlege ich immer noch, aber ich denke die Hauptsache ist ja, dass man ein bisschen zum Denken angestoßen wird.
      Viele liebe Grüße

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